„Junge Selbsthilfe heißt: in einem Boot gemeinsam durch die Wellen“

Das Jahr begann für unsere Selbsthilfegruppe etwas turbulenter als gedacht. Einige Mitglieder gingen in Arbeit und konnten die wöchentlichen Gruppentreffen leider nicht mehr regelmäßig wahrnehmen. Eigentlich sehr erfreulich, bedeutet es doch einen weiteren Schritt in Richtung selbstbestimmtes Leben und dennoch ergab es dadurch leider auch weniger Teilnehmer bei den Treffen.

Und dann kam noch das: Corona – Lockdown – Alles war auf einmal anders.
Wir mussten für mehr als zwei Monate die Gruppentreffen absagen und die Beratungsstelle schließen. Der Kontakt beschränkte sich nun nur noch auf ein paar kurze Nachrichten im Messenger, dem Abstinenzkurier als PDF per E-Mail und zwei motivierender Videobotschaften von Betroffenen für Betroffene. Tolle Aktionen, die Mut gemacht haben aber das wichtigste war dennoch nicht da: die persönlichen Gruppentreffen.

Als wir dann wieder die Gruppe öffneten hatte ich große Bedenken. Würde überhaupt jemand kommen, sind alle gesund geblieben, brauchen die Menschen die Gruppe noch?
Doch meine Bedenken waren völlig unbegründet denn es kamen alle. Wirklich alle.

Trotz der sehr eingeschränkten Möglichkeiten dieses Jahr gemeinsame Aktivitäten zu gestalten und durchgängige Gruppentreffen wahrzunehmen haben sich Mitglieder, welche sich erst durch die Gruppe kennengelernt hatten, auch privat unterstützt und sich gegenseitig motiviert. Beim Stadtradeln kam die Gruppe mit 447 km unter die ersten 500 Teams, man traf sich zum Kochen, zum chillen im Park, zum Klettern und kurz vor Jahresende sind zwei unserer Mitglieder sogar einen Halbmarathon gelaufen. Was für eine Leistung, Respekt.

Und es zeigte noch etwas:

die Möglichkeit zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen ist eben auch für junge Menschen ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer Abstinenz, für den Sie sich einsetzen und kämpfen. Dabei ist die Mischung aus gelebter Eigeninitiative der Mitglieder und die Unterstützung der Therapeutinnen der Beratungsstelle, welche wir wirklich wertschätzen und für die wir sehr dankbar sind, eine unschlagbare und nachhaltige Kombination. Ergänzt durch die Möglichkeiten, die der Förderverein „Zentrum für Drogenhilfe“ mir im Rahmen der Projektleitung der Jungen Selbsthilfe zur Verfügung stellt ist eine sehr solide und starke Basis entstanden, auf der die Junge Selbsthilfe weiterhin stabil wachsen kann und von der auch in Zukunft viele junge Menschen bei ihrem Ziel ein abstinentes und eigenständiges Leben zu führen profitieren können (werden?).

Das nächste Jahr kann kommen und ich freue mich schon sehr auf viele neue spannende, hilfreiche, belebende und unterstützende Gruppen und was die Junge Selbsthilfe noch so für Überraschungen parat haben wird. Und egal was für Widrigkeiten diesmal kommen mögen, als Gruppe werden wir sie alle meistern

„Gemeinsam statt Einsam“

Sebastian Mohr