Entstehung der SHG TrockenRock

Am Anfang stand die Idee

Im Sommer 2008 hatte ich die Idee, im Abstinenzclub „Regenbogen“ in Leipzig, ein Sommerfest zu organisieren. Unter dem Motto „Betroffene spielen für Betroffene“ sollte ein buntes Bühnenprogramm entstehen. Also suchte ich in den Selbsthilfegruppen (SHG) des Zentrums für Drogenhilfe nach Mitstreitern. Und tatsächlich fand ich Talente, die sich trauten, etwas darzustellen, Da war jemand, der jonglieren konnte, ein Gitarrenlehrer, der eigen Songs spielte, eine Frau, die mit der Gitarre Volkslieder vortragen konnte und die Zuschauer zum Mitsingen brachte. Und letztlich fanden sich drei Amateurmusiker zusammen in einer kleinen Band und spielt Rock und Pop. Das war ein toller Nachmittag. Alle hatten Spaß- Und mir wurde klar, warum ich diesen Nachmittag organisieren wollte: Ich wollte beweisen, dass man auch ohne Alkohol Spaß haben kann und dass in jedem von uns mehr steckt (Verlorengegangene Hobbies, ungeahnte Talente).
Es verging einige Zeit. Aber die Idee bohrte in mir weiter. Die Selbsthilfegruppe, die ich schon einige Jahre leitete, war ja eine reine Gesprächsrunde. Völlig okay für uns. Themen wurden besprochen, die jedem von uns wichtig waren. Rückfälle wurden aufgearbeitet usw.
Wie kann man auch jüngere Betroffene für die Selbsthilfe begeistern? Wie kann man Selbsthilfe noch interessanter gestalten? Es gibt ja schon Aktivitäten im kreativen oder auch im sportlichen Bereich. Kann man nicht vielleicht mit Musik etwas mehr Abwechslung und Interesse entwickeln? Und da war sie wieder, die Idee.
Warum nicht eine SHG organisieren, in der sich musikinteressierte Betroffene zusammenfinden, ihre Probleme besprechen, aber dann auch beim gemeinsamen Musizieren Spaß haben.
Und wieder begann die Suche. Wer hat Lust, wer kann ein Instrument spielen, wer traut sich usw. Es war schwerer als ich dachte. Erst fand ich einen Schlagzeuger innerhalb unserer Abstinenzclubs. Dieser brachte dann einen Gitarristen mit. Die Therapeuten der SBB Regenbogen hier vor Ort unterstützen uns mit Herz und vollem Einsatz. Sie organisierten einen Proberaum. Eine Therapeutin begleitete uns anfangs gesanglich. Ich konnte eine alte Vermona-PA-Anlage beisteuern. Weitere private Verstärker, ein altes Schlagzeug und wir konnten beginnen.
Inzwischen ist aus diesem Anfang, es war 2013, eine SHG mit dem Namen „TrockenRock“ entstanden. Die SHG besteht aus 10 Betroffenen. Einige sind gekommen und auch wieder gegangen. Voraussetzung ist für jeden die Abstinenz. Wir sind trockenen Alkoholiker. Deshalb auch der Name. Wir spielen trocken Musik aus dem Bereich Rock und Pop. Aber ein Kern ist geblieben. Und das Interesse ist groß. Wir haben inzwischen eine ansehnliche Playlist. Unser Ziel ist es, in sozialen Einrichtungen, in Kliniken, aber auch bei Straßenfesten aufzutreten. Wobei wir nie vergessen dürfen, dass wir selbst Betroffene sind, d.h., dass wir nur in begrenztem Umfang Auftritte annehmen können. Denn artet das Ganze in Stress aus, ist die Gefahr, rückfällig zu werden, einfach zu groß.

Trockenrock

Unsere Erfolge können sich sehen lassen. 2016 erhielten wir einen Sonderpreis bei der Verleihung des Sächsischen Selbsthilfepreises der VdeK. Bei dem Selbsthilfe- und Angehörigentag in Leipzig (siehe Foto) durften wir sogar vor großem Publikum spielen.

Um diesen Weg der Selbsthilfe gehen zu können, bedarf es natürlich große Hilfe und Unterstützung. Diese bekommen wir vorrangig durch unsere Therapeuten in fachlicher Hinsicht und im finanziellen durch den Förderverein Zentrum für Drogenhilfe e.V. Leipzig (www.fzd-leipzig.de).

Dieter Rienaß
Leiter der SHG TrockenRock